Finanzierungsvertrag für Solarkraftwerk in Marokko unterzeichnet

Solarthermische Kraftwerke: Deutsch-marokkanische Zusammenarbeit

09. Januar 2012, 13:10 Uhr   |  Carola Tesche

Solarthermische Kraftwerke: Deutsch-marokkanische Zusammenarbeit
© Fotolia

Deutschland beteiligt sich in Marokko im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative IKI mit 15 Mio. Euro am Bau des ersten 160-MW-Kraftwerks mit Parabolrinnenkollektoren. Das Kraftwerk kann den Betrieb bis zu drei Stunden nach Sonnenuntergang durch integrierte Speicherkapazitäten fortsetzen.

Damit wird Deutschland zu einem der wichtigsten bilateralen Partner Marokkos bei der Realisierung des Solarkraftwerks Ouarzazate 1. Die Errichtung soll 2012 beginnen und rund ein Jahr dauern. Standort ist die Stadt Ouarzazate, am nördlichen Ausläufer der Sahara gelegen

Das deutsche Engagement erfolgt in Abstimmung mit weiteren Fördergebern wie der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Europäischen Investitionsbank, der Französischen Entwicklungsbank und der Europäischen Kommission.

Ziele der marokkanischen Energiepolitik

Marokko verfolgt beim Ausbau der erneuerbaren Energien ambitionierte Ziele. Der Solarplan sieht vor, an fünf Standorten im Land solarthermische Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2 000 MW bis zum Jahr 2020 zu errichten. Für die Nutzung der Sonnenenergie sind die natürlichen Voraussetzungen in Nordafrika günstig. Mit etwa 2 600 kWh/m² liegt die jährliche Sonneneinstrahlung etwa 30 Prozent höher als an den besten europäischen Standorten. Im Verbund mit dem Ausbau der Windenergienutzung könnte Marokko am Ende dieses Jahrzehnts bereits rund 28 Prozent seiner Stromversorgung über erneuerbare Energien decken. Das soll Kapazitätsengpässe wegen steigender Energienachfrage und einer wachsenden Bevölkerung entgegenwirken. Außerdem verringert Marokko damit seine Importabhängigkeit (derzeit ca. 97 Prozent) für fossile Energieträger und verbessert die nationale CO2-Bilanz.

Kraftwerk Ouarzazate 1

Der Standort des Kraftwerks liegt sieben km nordöstlich der Stadt Ouarzazate. Ein nahe gelegener Stausee kann den Kühlwasserbedarf des solarthermischen Kraftwerks decken. Das Kraftwerk Ouarzazate 1 soll nach zwei Betriebsjahren eine jährliche Strommenge von 370.000 MWh erzeugen und rund 230.000 t CO2 einsparen. Das geplante Kraftwerk ist die erste Anlage für den geplanten Solarkomplex am Standort, der im Endausbau eine Kapazität von 500 MW umfassen soll.

Export bewährter Technik

Bei Parabolrinnenkollektoren sammeln lange, verspiegelte und parabolförmige Rinnen, nachgeführt durch Drehung um die Längsachse dem Sonnenstand, das Sonnenlicht ein und konzentrieren es um das 80-fache auf eine Brennlinie. Dort befindet sich ein Stahlrohr mit einer selektiven Beschichtung als Absorber. In diesem Rohr zirkuliert als Wärmeträger ein Thermoöl, das Temperaturen um die 400 °C erreichen kann. Um Wärmeverluste zu vermeiden, umhüllt eine evakuierte Glasröhre das Stahlrohr. Bei einem Parabolrinnenkraftwerk sind Hunderte von Rinnen in einem Raster angeordnet. Im Zentrum der Anlage findet sich ein zentrales Gebäude mit dem konventionellen Kraftwerksteil. In diese Kraftwerke lassen sich auch thermische Speicher integrieren, in denen sich beispielsweise durch das Schmelzen von Salzen die Wärmeüberschüsse über Tag für den abendlichen Betrieb einspeichern lasen.

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