Sie sind hier: HomeThemenSmart PowerStromversorgung

Georg Beretitsch, Phoenix Contact: »Bullwhip-Effekte in der Supply-Chain vermeiden«

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Ausbau des Standorts Paderborn

Mit welcher Geschäftsentwicklung rechnen Sie vor diesem Hintergrund konkret für 2020?

Wir haben in diesem Jahr unser gesamtes Quint-Programm in der 4. Generation vervollständigt und haben damit aus meiner Sicht 2020 das leistungsstärkste Produktportfolio am Markt. Neben den Stromversorgungen umfasst dieses Produktportfolio DC/DC-Wandler, USVs, Energiespeicher und Redundanzmodule. Jedes dieser Produkte ist individuell technisch führend und gleichzeitig systemisch sowohl mit anderen Produkten der Quint-Reihe als auch beispielsweise mit unseren Geräteschutzschaltern kombinierbar. Eben ein Produktportfolio aus einem Guss. Vor diesem Hintergrund streben wir für 2020 im Stromversorgungsbereich ein Wachstum von 5 bis 10 Prozent an.

Sie sind dabei, den Standort Paderborn kontinuierlich weiter auszubauen. Wie hoch ist inzwischen die Zahl der Beschäftigten dort, und wie hoch ist die Lagerkapazität?

Wir haben weiter am und in den Standort Paderborn investiert. Aktuell arbeiten rund 190 Beschäftigte dort für Power-Supplies. Fast die Hälfte unserer Mitarbeiter in Paderborn ist im Bereich Entwicklung beschäftigt oder entwicklungsnah tätig. Mittel- und langfristig werden wir die Zahl der Beschäftigten in Paderborn weiter moderat aufbauen. Unsere Lager- und Logistikflächen in Paderborn haben inzwischen eine Kapazität von etwas mehr als 3000 m2 Paletten-Stellflächen. Es dient uns im Wesentlichen als Pufferlager. In den letzten zwei Jahren ist es uns gelungen, hier die Prozesse und Logistikstrukturen systematisch weiterzuentwickeln und so die Lieferfähigkeit und den Kundenservice kontinuierlich zu erhöhen.

Phoenix Contact fertigt seine Stromversorgungen ja vor allem in China. Welche Konsequenzen haben Sie aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China inzwischen gezogen?

Wir verfügen über ein weltweit verteiltes Produktionsnetzwerk und fertigen so unter anderem in Thailand, Vietnam und Indien. Wir können dadurch den Großteil unserer Geräte außerhalb Chinas fertigen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China bestätigt uns darin, dass es eine gute Entscheidung war, global diversifiziert zu produzieren. Wir sind darum nur bei einer überschaubaren Anzahl von Produkten von den Auswirkungen des Handelsstreits betroffen.

Sie haben aber das neue Werk in Nanjing ja nicht nur aus Gründen des Risikomanagements errichtet. Es sollte mit dazu beitragen, Ihre weltweite Produktionskapazität deutlich zu erhöhen. Welches Produktionsvolumen streben Sie bis Mitte nächsten Jahrzehnts weltweit an?

In Nanjing wurde der Hochlauf der Produktion bisher wie ursprünglich geplant umgesetzt. Inzwischen hat sich der Standort zu unserem Kompetenzzentrum für die Produktion von Power-Supplies entwickelt. Durch die sehr enge und verzahnte Zusammenarbeit mit den dortigen Produktionsexperten haben wir uns hier am Standort in Paderborn auch im Sinne von „Design for Manufacturing“ deutlich weiterentwickelt.

Phoenix Contact hat vor knapp zwei Jahren eine Stromversorgung auf den Markt gebracht, die Kunden über den E-Shop hinsichtlich etwa 40 Features personalisieren konnten. Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Ansatz bisher?

Am Anfang war die Resonanz zugegebenermaßen etwas geringer, als wir ursprünglich angenommen hatten. Mittlerweile hat sich das jedoch gedreht, und sehr viele Kunden haben die Vorteile erkannt und nutzen nun genau diese Anpassungsmöglichkeiten. Damit bestellt der Kunde eine individuelle, auf ihn und seine Applikation optimal angepasste, also letztlich maßgeschneiderte Stromversorgung zum Preis einer Standardstromversorgung, und das Ganze ab Stückzahl 1!

Trifft es nach wie vor zu, dass gut drei Viertel Ihres Umsatzes auf die Quint-Power-Serie entfallen?

Wir haben die Quint-Power-Serie 1996 erstmals auf den Markt gebracht. Es ist also historisch unser Zugpferd. Wir haben es über die Jahre weiter ausgebaut und komplettiert. Inzwischen ist die 4. Generation dieser Baureihe auf dem Markt. Quint Power beschert uns weiter ein sehr erfreuliches, konstantes Wachstum über die Jahre hinweg. Mit der Trio-Power- und Uno-Power-Baureihe, die inzwischen auch jeweils in der 2. Generation auf den Markt sind, haben wir unser Produktportfolio konsequent ausgebaut, und beide Baureihen verzeichnen weiterhin überproportionale Wachstumsraten.

In den letzten zwölf Monaten gab es größere Übernahmen am Stromversorgungsmarkt. Wirken sich diese Übernahmen für Sie im Bereich der Hutschienen-Netzteile aus?

Aktuell können wir durch diese Übernahmen keine wesentlichen Veränderungen am Markt feststellen. Im Kontext der Stromversorgungen und Stromversorgungslösungen bewegen wir uns kontinuierlich in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld. Derartige Firmenübernahmen sind deshalb nicht außergewöhnlich. Für uns bedeutet es aber, wir müssen es letztlich immer wieder schaffen, durch innovative Produkte und Kundenlösungen einen besonderen Kundennutzen zu generieren – und das Ganze zu einem fairen Preis.