Speicher für Solarstrom

So sparen Industrieunternehmen richtig Geld

14. Januar 2022, 11:59 Uhr | Iris Krampitz, Krampitz Communications & Frederik Süllwald, Intilion
Intilion Stromspeicher
Der Gewerbespeicher Scalebloc von Intilion dient Unternehmen zur stationären Energiespeicherung und ermöglicht ihnen, den Eigenbedarf zu optimieren und Kosten zu sparen.
© Intilion

Batteriespeicher eignen sich für Hausbesitzer, die möglichst viel des von ihnen erzeugten Solarstroms selbst nutzen wollen. Aber auch für Industrieunternehmen sind sie nützlich, lassen sich doch damit sechsstellige Beträge einsparen. Die beiden Autoren erklären, wie das funktioniert.

Die Netzentgelte von Industrie- und Gewerbeunternehmen machen derzeit rund ein Viertel der gesamten Energiekosten aus. Allein von 2010 bis heute haben sie sich mehr als verdoppelt. Grund hierfür sind umfangreiche Investitionen der Netzbetreiber in die Infrastruktur. Dies ist erforderlich, um die steigenden Strommengen aus erneuerbaren Energien in die Netze aufzunehmen, diese zu transportieren sowie die Versorgungssicherheit dauerhaft in einem dezentralen Energiesystem sicherzustellen. Eine Auswertung von be.storaged – eine hundertprozentige EWE-Tochter – ergab beispielsweise eine mittlere Steigerung der Leistungspreiskomponente des Netzentgelts der Mittelspannung bei EWE Netz von 6,5 Prozent pro Jahr.

Wer mit Batteriespeichern sein Lastprofil glättet, kann seine Netzentgelte um bis zu 80 Prozent reduzieren. Das gelingt sowohl energieintensiven Unternehmen, die die 7.000-Stunden-Regel erfüllen, als auch kleineren Unternehmen, die das Netz atypisch nutzen.

Die 7.000-Stunden-Regel erfüllen

Weil die Netzbetreiber bei gleichmäßigen Bezugskurven ihre Stromnetze effizienter nutzen können und erneuerbare Energien schneller und besser in das Netz integrieren können, bieten sie für konstante Bezüge günstigere Preise an. Als Kennzahl dienen dabei die Jahres-Volllaststunden, die sich aus dem Quotienten der bezogenen Jahresenergie und der höchsten Leistungsspitze ergeben. Dabei liegt die Grenze, ab der ein Stromkunde vom Versorger als netzdienlich angesehen wird, bei mindestens 7.000 Benutzungsstunden im Jahr. Energieintensive Unternehmen, die jährlich mehr als 10 Gigawattstunden verbrauchen und diese 7.000-Stunden-Regel erfüllen, müssen nach §19 der StromNetzentgeltverordnung (StromNEV) für das Bezugsjahr deutliche niedrigere Netzentgelte bezahlen. Die Einsparung beträgt bis zu 80 Prozent im Jahr.

Mit Batteriespeichern können energieintensive Unternehmen ihre Lastspitzen glätten und ihre Jahres-Volllaststunden erhöhen. Wer nah an der 7.000-Stunden-Schwelle liegt, sollte daher unbedingt die Lastprofile der vergangenen Jahre und die Wirtschaftlichkeit von Speicherprojekten analysieren. Mit spezieller Analyse-Software lässt sich erkennen, wie groß die Leistung und Kapazität des Speichers sein sollte und mit welchen Investitionskosten und Amortisationszeiten man rechnen muss. Gleichzeitig wird ermittelt, welche Anwendungsfälle für den speziellen Lastgang in Frage kommen könnten.

Die Flexibilität erhöhen

Um eine unwirtschaftliche Überdimensionierung des Speichers zu vermeiden, kann es unter Umständen sinnvoll sein, eine Hybridanlage aus einem Batteriespeicher und einem weiteren Erzeuger zu installieren und dadurch die Flexibilität zu erhöhen. Denn während Batteriespeicher sich insbesondere für das Glätten von häufig auftretenden Spitzen eignen, können netzparallele Aggregate sehr lange Spitzen abfangen und dienen somit als Kapazitätserweiterung. In jedem Fall sollte man bei der Planung auch das betriebliche Lastmanagement berücksichtigen, bestehende Flexibilitäten im Unternehmen aktivieren und beispielsweise die Produktion bei Bedarf drosseln, um die Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen.

Wer über mehrere Jahre ein konstantes Lastprofil hat und nah am Grenzwert von 7.000 Benutzungsstunden liegt, kann seine Netzentgelte mit einem Batteriespeicher (abhängig vom Lastprofil und den Preiskonditionen) um mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr senken und mit einer Amortisationszeit von ein bis vier Jahren rechnen, wie das folgende Beispiel zeigt:

Für ein Unternehmen mit einem Strombezug von 16 Gigawattstunden und einer Leistungsspitze von 2.600 Kilowatt ergeben sich 6.154 Benutzungsstunden pro Jahr. Reduziert es die maximale Leistungsspitze durch Speichersysteme auf 2.220 Kilowatt, ergeben sich 7.200 Benutzungsstunden. In einem exemplarischen Netzgebiet liegt der Leistungspreis bei 144,97 Euro pro Kilowatt pro Jahr, der Arbeitspreis bei 0,47 Euro pro Kilowattstunde. Ohne Speicher zahlt das Unternehmen Netzentgelte in Höhe von 452.122 Euro, mit Speicher dagegen lediglich 79.465 Euro. Ein Batteriesystem spart ihm ganze vier Fünftel der Netzentgelte. 


  1. So sparen Industrieunternehmen richtig Geld
  2. Das Netz atypisch nutzen

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