Deutscher Stromversorgungsmarkt 2021

Tolle Aussichten, aber ...

10. Mai 2021, 10:00 Uhr   |  Engelbert Hopf

Tolle Aussichten, aber ...
© Phoenix Contact

Georg Beretitsch, Phoenix Contact Power Supplies »Die Dezentralisierung von großen Kraftwerken hin zu dezentralen regenerativen Energieerzeugern öffnet insbesondere im Bereich der Energieverteilung neue, hochinteressante Märkte.«

Mit massiven Auftragssteigerungen sind die Power-Spezialisten auf dem deutschen Markt in das Jahr 2021 gestartet. Gebremst wird die Anfangsdynamik inzwischen durch das sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkende Corona-Management und eine eskalierende Situation in der Bauteillieferkette.

Die aktuelle Marktentwicklung übersteigt unsere Erwartungen deutlich«, versichert Georg Beretitsch, Vice President und Geschäftsbereichsleiter der Business Unit Power Supplies bei Phoenix Contact; »insbesondere das Geschäft in Asien zieht überproportional an«. – »Wir erwarten definitiv einen deutlichen Zuwachs für 2021«, bestätigt auch Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei der Block Transformatoren-Elektronik, »und wir sind sicher, dass es zweistellig ausfallen wird«. Kurzfristige Umsatzsprünge wird es nach seiner Einschätzung 2021 jedoch nicht geben, und das hat vor allem damit zu tun, »dass dafür das entsprechende Vormaterial verfügbar sein müsste«.

So schön die Markterholung der letzten Monate für die Hersteller von Stromversorgungen auch gewesen sein mag, das zukünftige Wachstum in diesem und vielleicht auch im nächsten Jahr könnte sich als durchaus fragil in seiner Stabilität erweisen. »Rein wirtschaftlich erleben wir Bedarfssteigerungen um 15 bis 20 Prozent, zu den Vergleichszahlen von 2019 eine extreme Entwicklung«, berichtet Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile, »aber die Rohmaterialbeschaffung ist mal wieder sehr herausfordernd«. Wie herausfordernd die Situation ist, macht sein Hinweis auf den Kondensatorhersteller NCC deutlich: »NCC hat die zuvor schon üppige Lieferzeit von 16 Wochen inzwischen auf 30 Wochen angehoben, das gab es in den letzten Allokations-Phasen nicht.«

Recom
© Recom

Uwe Frischknecht, Recom »Die Aufträge gehen derzeit durch die Decke, fast alle Kunden reiten derzeit die Welle des Aufschwungs, um nicht zu kurz zu kommen. Das große Erwachen könnte im Sommer kommen.«

»Die Aufträge gehen durch die Decke, alle Kunden reiten derzeit die Welle des Aufschwungs, um nicht zu kurz zu kommen«, schildert Uwe Frischknecht, Managing Director Sales EMEA bei Recom, die aktuelle Situation am Markt. »Wir rechnen deshalb für 2021 mit einem deutlich zweistelligen Umsatzzuwachs.« Er warnt aber auch davor, dass diese Dynamik zu einem großen Erwachen im Sommer dieses Jahres führen könnte und das dann eine Auftragskonsolidierung zur Folge haben könnte. Der Grund liegt für ihn auf der Hand: »Leiterplatten, Trafos, MOSFETs, ICs, Dioden und selbst Gehäuse, alles zieht bezüglich Lieferzeiten und Preisen an, und es wird wohl noch schlimmer werden, bevor es dann wieder besser wird.«

Interessant ist, dass sowohl in der Einschätzung von Frischknecht als auch der von Oliver Walter, CEO der Camtec, sich Skandinavien im 1. Quartal 2021 am besten in Europa entwickelt hat, »das war traditionell schon so und ist auch dieses Mal wieder der Fall«. In seiner Wahrnehmung erfolgt die Markterholung derzeit auf breiter Basis, »die Unternehmen werden wieder zuversichtlicher«. Ausgenommen davon ist nach seiner Beobachtung bislang nur die in Europa gebeutelte Automobilindustrie, »hier wartet man noch auf positive Zeichen«. Dass es angesichts der Tatsache, dass alle wieder starten, zu Knappheiten kommt, ist für ihn ein logischer Schluss. Die größte Herausforderung für 2021/22 sieht er denn auch weniger in mangelndem Kundeninteresse als vielmehr in der Beherrschung der Beschaffungssituation.

Dass eine positive Entwicklung nicht unbedingt davon abhängt, ob man nach Asien oder in die USA exportiert, zeigt das Beispiel Gaia Converter. »In unserem Marktsegment, der Verkehrs- und Militärtechnik, bewegen wir uns eher auf lokaler Ebene und sehen deshalb vor allem den europäischen Markt als Treiber«, gibt Christian Bernard, Vertriebsleiter DACH, zu Protokoll. »Begründet ist das sicher auch durch den Trend zu erhöhten Militärausgaben und Nachholeffekten, die durch die Vernachlässigung der Verkehrstechnik in der Vergangenheit ausgelöst wurden.« Auch er sieht die größte Herausforderung dieses Jahres in der benötigten Bauteilversorgung und hofft, dass sich Gaia diesem Problem durch einen erhöhten Lagerbestand entziehen kann.

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1. Tolle Aussichten, aber ...
2. Positive Entwicklung des deutschen Marktes
3. Branchen-Stimmungsindex

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