Kommunale Versorger auf dem Vormarsch

Bestence: Stadtwerke müssen IT-Infrastruktur auslagern

22. Dezember 2010, 8:16 Uhr | Heinz Arnold

Damit die Stadtwerke ihre wachsende Marktposition auch langfristig sichern können, müssen sie laut Beratungs- und Softwarehaus Bestence ihre IT-Infrastruktur dauerhaft schlank halten. Das sei nur durch Auslagerung oder zumindest durch Abgabe von Kompetenzen an externe IT-Dienstleister möglich.

Die kommunalen Versorger in Deutschland sind auf dem Vormarsch. Nicht erst seit dem ein Stadtwerke-Konsortium den bundesweit fünftgrößten Energieversorger Steag mit einem Jahresumsatz von fast 2,6 Mrd. Euro und über 4.800 Mitarbeitern (Stand 2009) übernommen hat. Überall in Deutschland nehmen die Städte und Gemeinden ihre Energieversorgung wieder selbst in die Hand.

Bereits 2009 hatte eine Gruppe von Regionalversorgern die Eon-Tochter Thüga gekauft. Laut den Energiemarktexperten von Bestence denken viele Kommunen derzeit darüber nach, ihre Stadtwerke zurückzukaufen und darüber hinaus zu größeren Verbänden zusammenzuschließen.

»Beim Zusammenschluss kleiner Wirtschaftseinheiten zu einem größeren Ganzen bietet es sich an, externe Dienstleister, gerade auch im Bereich der IT, mit ins Boot zu holen«, so Dr. Klaus Radermacher, Geschäftsführer von Bestence. Neben einer größeren Kosteneffizienz und besserem Kundenservice habe dies auch den Vorteil, dass die Kommunen unabhängiger agieren können. Der Aufbau der Stadtwerke in Hamburg vor eineinhalb Jahren ist ein weiteres Beispiel für die Rückbesinnung auf kommunale Strukturen.

Auch der geplante Erwerb des EnBW-Aktienpakets durch das Land Baden-Württemberg gilt unter Experten als gute Chance für eine Rekommunalisierung der Wasser-, Strom- und Gasversorgung. »Lange Zeit sahen die Stadtwerke wie die Verlierer auf dem Energiemarkt aus. Noch vor mehreren Jahren wurden viele kommunalen Versorger an Großversorger verkauft«, erklärt Radermacher. Seit geraumer Zeit habe sich dies aber gravierend geändert. Immer mehr Städte und Gemeinden haben ihr Interesse an den eigenen Stadtwerken wieder entdeckt. Vor allem im Verbund mit anderen bilden Kommunalversorger eine ernst zunehmende Marktmacht. Selbst Rückschläge wie die Verlängerung der Atomlaufzeiten werden nach Expertenmeinung mittelfristig den kommunalen Versorgern nicht ernsthaft schaden.