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Fallbeispiel erfolgreicher kommunaler Energiewende

14. März 2014, 17:13 Uhr   |  Hagen Lang

Fallbeispiel erfolgreicher kommunaler Energiewende
© Fotolia.com / Jan Jansen

Die integrierte Wärmelieferung ist ein entscheidender Mosaikstein im Gießener Energie-Konzept.

Dass auch kleinere kommunale Versorger die Energiewende erfolgreich schultern können, zeigen die Autoren Ina Well und Matthias Funk in ihrem Buch »Ein Stadtwerk stemmt die Energiewende«. Am Beispiel Gießens wird exemplarisch gezeigt, wie die Energiewende bezahlbar und dem Bürger vermittelbar bleibt.

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage nach dem kommunalen Königsweg in der Energiewende, aber wenn man als Kommune die Wahl hat, lautet sie: » Die gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme – das muss der richtige und sinnvollste Weg zum effektiven Energieeinsatz sein«, so die Autoren Ina Weller und Matthias Funk. Ihre bei Springer Gabler erschienene Studie zeigt für kleine und mittlere Energieversorger auf, wie der Umstieg weg von fossilen/atomaren Energieträgern hin auf eine regenerative Energieversorgung gelingen kann.

»Ein Stadtwerk stemmt die Energiewende« liefert kleinen und mittleren Energieversorgern pragmatische und realisierbare Lösungsansätze für einen effizienten Beitrag zur Energiewende. Die zunehmende Dezentralität der Energieversorgung sei dabei eine Chance für die Stadtwerke. Deshalb ruft Ina Weller zu mehr Eigeninitiative auf: »Wer sich aktiv am Markt bewegt, kann zu den Gewinnern zählen. Wer auf eine durchdachte politische Marschroute der Politiker wartet, verpasst vielleicht die Energiewende und verliert das Vertrauen seiner Kunden.«

»Es ist wichtig für unsere Umwelt und unsere Zukunft, das Thema Energie und damit die Energiewende nicht nur auf Stromerzeugung, sondern eben auch auf den Wärmemarkt zu beziehen«, bringt Ina Weller den zentralen Aspekt des Gießener Ansatzes auf den Punkt. Bereits in den 1980er Jahren habe man ein ganzheitliches Konzept für die Stadt erstellt. Seit 2007 seien diese Ideen in eine Strategie für das Gesamtunternehmen überführt worden, die über die Definition von Zielen hinausgeht: »In der aktuellen Strategie finden sich insgesamt zehn Stoßrichtungen mit konkreten Projekten, die auf dem Weg sind und die wir bis 2020 erledigt haben wollen.« Dazu zählten Projekte wie Netzerweiterung in der Heimat und im Westerwald, Nahverkehr, Vertrieb Energie und Energiedienstleistung, Eigenerzeugung, Fernwärme, Personal und Organisation.

Im Hinblick auf die technischen Einrichtungen sei man durch die lange Tradition der Eigenerzeugung von Strom und Wärme gut auf die Energiewende eingestellt, so Matthias Funk, Geschäftsführer des Heizkraftwerks Gießen: »Das Wärmenetz als Bestandteil der Infrastruktur wird seit 30 Jahren kontinuierlich ausgebaut. Damit sind wir in der Lage, unterschiedlichste Brennstoffe wie Biomasse, Abfall, Biogas oder Biomethan extrem flexibel einzusetzen.« Die wechselnden politischen Rahmenbedingungen seien natürlich ein Problem, räumt der Experte ein. Wer aber vorab einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrieb sicherstellt, müsse nicht zwingend mit möglichen Zuschüssen kalkulieren. Um dies zu erreichen, sollte der Fokus laut Funk auf effizienter Energiewandlung liegen sowie Neuland mit überschaubarem Risiko betreten werden: »Wir haben beispielsweise erst 2011 mit dem Bau von Biogasanlagen begonnen. Zwei Dinge haben wir jedoch von Beginn an beachtet: Kein Anlagenstandort ohne ganzjährige Wärmenutzung und wenn möglich Abfallprodukte wie Gülle, Futterreste oder Mist als Substratstoffe verwenden sowie den Fermentierungsprozess kontinuierlich biologisch betreuen.«

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