11. Monitoring der Energiewende

Ergebnisse sind mehr als enttäuschend

23. Januar 2023, 10:32 Uhr | Kathrin Veigel
vbw Monitoring Energiewende
Einzig die Kategorie Versorgungssicherheit hat sich im Vergleich zum 10. Monitoring nicht weiter verschlechtert.
© vbw

Der Umbau des deutschen Energiesystems hat bereits 2021 die hochgesteckten Ziele weitestgehend verfehlt. Das zeigt das 11. Monitoring der Energiewende, das die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) jetzt veröffentlicht hat.

»Die Ergebnisse des Monitorings sind alles andere als zufriedenstellend. In drei von vier Kategorien – Bezahlbarkeit, Energieeffizienz / erneuerbare Energien und Umweltverträglichkeit – sind die Ergebnisse schlechter als im Vorjahr. Das muss ein Weckruf sein: Wenn die Energiekrise als Mutter aller Krisen gilt, ist die Energiewende die Mutter aller Krisenlösungen«, erklärt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Laut des von Prognos für die vbw erstellten Monitorings sind die Preise für Gas und Strom schon 2021 deutlich angestiegen. »Bereits vor den historischen Preisspitzen für Energie im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine lag die Steigerung der Energiepreise deutlich über der Teuerungsrate der Verbraucherpreise. Die Entwicklung der Strompreise ist und bleibt besorgniserregend. Beim Industriestrom belegen wir innerhalb der EU den vorletzten Platz, nur Zypern ist teurer. Dieses Preisniveau kostet uns internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für uns als Industrienation bleibt bezahlbare Energie zentral. Deshalb ist die Absenkung der Stromsteuer auf das EU-rechtliche Minimum nötig. Dringend erforderlich ist auch ein einheitlicher Industriestrompreis, am besten auf europäischer Ebene«, fordert Brossardt.

Stromnetz muss fit für die Zukunft werden

Aus Sicht der Vereinigung muss der Ausbau der Stromnetze endlich einen echten Schub erfahren. »Wir brauchen ein zukunftstaugliches Stromnetz, das dezentrale Einspeisungen von Strom aus erneuerbarer Energie aushält. Im gleichen Zug müssen wir alle erneuerbaren Energien mit Höchstgeschwindigkeit ausbauen. Damit stärken wir das Energieangebot vor Ort und dämpfen die Preise. Zudem gilt es, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen. In der Energiekrise haben wir gezeigt, dass wir beim Umbau des Energiesystems Tempo machen können. Am Bau der deutschen LNG-Terminals müssen wir uns ein Beispiel nehmen. Wir brauchen generell schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren«, so Brossardt.

Die einzige Kategorie der Studie, die sich nicht weiter verschlechtert hat, ist die Versorgungssicherheit. »In diesem Bereich bleibt die Wertung auf dem Vorjahres-niveau. Aber auch das ist kein Erfolg. Der wichtige Ausbau der Stromnetze bleibt Stückwerk. Zudem nehmen die Kosten für Systemsicherheitsmaßnahmen zu. Mit rund 2,3 Milliarden Euro wurde ein historischer Höchstwert im Monitoring-Jahr 2021 verzeichnet«, resümiert Brossardt. Für eine gesicherte Gasversorgung unter höchsten Umweltstandards müsse das deutsche Fracking-Verbot endlich ideologiefrei auf den Prüfstand.

Die Treibhausgasemissionen haben sich in Deutschland 2021 um 4,5 Prozent erhöht. »Aufgrund der Energiekrise hat dieser Trend in 2022 sicherlich zugenommen. Das ist zur Bewältigung der Krise notwendig, muss aber die Ausnahme bleiben. Wir müssen jetzt die richtigen Schlüsse ziehen und sowohl Energiewende als auch weitere Klimaschutztechnologien mit aller Entschlossenheit fördern. Es gilt, aus dem Bewusstsein unserer bisherigen Abhängigkeit neuen Schwung für eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft für den Umbau des Energiesystems mitzunehmen«, so Brossardt abschließend.


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