Statement zur Energiepolitik

Kohlschwarze Aussichten für die Zukunft

18. Juli 2022, 14:41 Uhr | Kathrin Veigel
Privates Institut Thomas Schoy Solar
Thomas Schoy ist Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.
© Privates Institut

Deutschland darf in diesen Zeiten nicht die Kohlkraftwerke anfeuern, sondern sollte auf erneuerbare Energieträger setzen. Deshalb muss dieser Industriezweig einen festen Standort in Deutschland haben – dieser Meinung ist Thomas Schoy, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut.

Vor Kurzem hat das Bundeswirtschaftsministerium die zweite Eskalationsstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Russland reduziert die Menge des an Deutschland und andere europäische Länder gelieferten Gases immer weiter und sorgt somit für aufkommende Sorge bei vielen. Momentan erweisen sich die deutschen Gasspeicher mit um die 63 Prozent noch als relativ gut gefüllt.

Um diesen Zustand vor allem für den Winter beizubehalten, forderten Robert Habeck und viele weitere politische Verantwortliche die Bevölkerung und die Industrie in den letzten Wochen immer wieder dazu auf, im Alltag Energie zu sparen. Zwar kann dies zu einem geringeren Gesamtverbrauch führen, wenn sich alle an diese Vorgabe halten, aber löst alleine leider nicht das derzeitige Problem.

Aus diesem Grund sieht sich die Politik in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft nach Alternativen um. Dazu gehört auch ein recht kontroverser Plan von Robert Habeck. Als grüner Politiker möchte er paradoxerweise die Kohlekraftwerke in Deutschland für eine festgelegte Übergangsphase verstärkt nutzen oder sogar wieder in Betrieb nehmen.

Im ersten Moment wirkt dieses Unterfangen vielleicht wie ein vernünftiger Schritt, um die aktuellen Schwierigkeiten zu umschiffen. Im Endeffekt verschiebt es jedoch nur die dringend benötigte Energiewende. Besonders im Zuge des beim letzten G7-Treffen beschlossenen Kohleausstiegs sollten Deutschland und seine europäischen Nachbarn hier keinen Schritt in die falsche Richtung machen.

Rückschritt statt Fortschritt

Nicht nur die Bundesrepublik, sondern auch Nachbarstaaten wie beispielsweise die Niederlande beschäftigen sich aufgrund der aktuellen Situation mit dem Aufrechterhalten der Kohleenergie für einen begrenzten Zeitraum, um den gesunkenen Gaslieferungen entgegenzuwirken. Manche Energieversorger machen sich dabei schon erste organisatorische Gedanken: Für die Betreibung der Kohlekraftwerke plant etwa ein großer Strom- und Gasversorger, die Frührente einiger Mitarbeitenden auszusetzen und gleichzeitig neue Auszubildende einzustellen.

Selbstverständlich muss der Staat eine Versorgung der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten, aber auch unter solchen Umständen sollte es eine nachhaltigere Alternative geben. Hier braucht es für einige Verantwortliche dringend eine Erinnerung an die immer noch bestehende Klimakrise, die wie ein Damoklesschwert über der Weltbevölkerung schwebt. Gerade in Zeiten von Krieg und anderen Krisen scheint sich der Klimawandel jedoch immer wieder zu einer Randnotiz zu entwickeln.

In diesem Zusammenhang muss selbstverständlich noch einmal betont werden, dass Erdgas nicht wirklich sauberer als Kohle ist, und gerade bei der Kohlenstoffdioxidverschmutzung kann das als nachhaltiger geltende Gas in negativer Hinsicht sehr gut mit der dreckigen Kohle mithalten. Daher sollte Deutschland sich neben der Kohle auch immer mehr vom Gas verabschieden und besonders den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern.

Wiederbelebung einer Energieleiche?

Andere Politiker, darunter Christian Lindner und Jens Spahn, fordern im Zusammenhang mit der derzeitigen Energieknappheit aufgrund des Gasmangels immer wieder, die Atomkraft in den Überlegungen nicht außen vor zu lassen. Dazu sollen neben den bestehenden Kraftwerken auch schon abgeschaltete Blöcke wieder ans Netz gehen.

Dazu lässt sich jedoch nur eine klare Meinung vertreten, und zwar, dass diese Energieform in Deutschland ohne Zweifel der Vergangenheit angehört. Sie darf aufgrund der von ihr jederzeit ausgehenden Gefahr und der langfristigen Folgen des dabei entstehenden radioaktiven Abfalls in der Zukunft keine Rolle mehr in unserem Strommix spielen.

Zudem gibt es auch einige rechtliche und praktische Gründe, die dazu führen, dass sich die Atomkraft in dieser Debatte als keine Option erweist. Um die Meiler überhaupt wieder in Betrieb nehmen zu dürfen, müsste die Politik im ersten Schritt das Atomgesetz ändern. Außerdem haben viele dieser Kraftwerke schon länger keine Sicherheitsüberprüfungen erhalten und besitzen somit keine Zulassung mehr. Alleine dieses Unterfangen würde den Rahmen für eine Übergangslösung sprengen.

Nicht in der Vergangenheit suchen, sondern für die Zukunft planen

Verständlicherweise macht sich der deutsche Wirtschaftsminister Sorgen um die Energieversorgung des Landes, aber bietet die Kohle wirklich eine zukunftsorientierte und nachhaltige Lösung oder sollte die Bundesrepublik nicht lieber die Energiewende weiter vorantreiben und die erneuerbaren Energien verstärkt ausbauen? Hier eröffnet die intensive Förderung von Photovoltaik und Windenergie einen wesentlich besseren Ausweg aus dieser Versorgungskrise.

Dafür braucht es aber auch noch die Überwindung einiger Hürden, wie beispielsweise einfachere Genehmigungsverfahren für Freiflächenanlagen oder auch die Reduzierung der Abstandsregeln bei Windkraftanlagen. Wahrscheinlich bleibt Deutschland keine andere Wahl, als Kohle zur Sicherung der Energieversorgung einzusetzen, da die Rolle als weltmarktführender Industrie-Standort für erneuerbare Energien ebenso wie beispielsweise die Hoheit über die Produktion lebenswichtiger Antibiotika aus Gründen rein kurzfristiger Erfolgsrechnung politisch verspielt wurde.

Um die Kriegskassen von Russland nicht weiter zu füllen und eine lebenswerte beziehungsweise freie Zukunft der Bürgerinnen und Bürger zu sichern, muss die Bundesregierung wohl die Kohlekraftwerke hochfahren. Zeitgleich braucht es aber auch eine als unumkehrbar definierte Frist, nach deren Ablauf in Europa entwickelte und produzierte nachhaltige Technologien diese fossile und atomare Energieerzeugung ablösen.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH