Sie sind hier: HomeThemenSmart UtilitiesEnergieverteilung

Energiewende: Viel zu wenig neue Stromleitungen

7.700 km neue Stromleitungen wären erforderlich – nur 950 km sind realisiert, 1.750 km sind genehmigt.

Der Stromnetzbetreiber Tennet nimmt den Bauabschnitt Hamburg/Nord - Audorf der 380-kV-Mittelachse-Stromleitung in Betrieb. Bildquelle: © Carsten Rehder/dpa

Der Netzausbau kommt nur schleppend voran - und Freileitungen erleben gegenüber Erdverkabelungen auf den HGÜ-Trassen ein überraschendes Revival.

Diese Zahlen nennt die Bundesnetzagentur und beklagt, dass das bisherige Tempo beim Netzausbau dem raschen Zuwachs bei der Erzeugung erneuerbaren Stroms hinterherhinke: »Der Netzausbau muss also aufholen.« Dabei geht es neben neuen Stromleitungen auch um Projekte zur Verstärkung bestehender Netze.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist enorm vorangeschritten, ihr Anteil soll weiter massiv steigen. Bis 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein. Die Entwicklungen haben massive Folgen für das Stromnetz, das an seine Kapazitätsgrenze zu kommen droht.


Wesentlicher Bestrandteil der Energiewende sind drei neue Hochspannungsgleichstrom-Strecken (HGÜ): Ultranet im Westen Deutschlands, Sued-Link in der Mitte und Suedost-Link (Wolmirstedt bei Magedburg nach Landshut) im Osten, die bis 2025 gebaht sein sollen. Suedost-Link ist 580 km lang und soll 5 Mrd. Euro kosten.

Das ist teuer, aber die Politik wünschte die Erdverkabelung gewünscht, weil vermutet wurde, dass die Anwohner Erdkabeln eher akzeptieren als Freileitungen. In einigen Gebieten aber ist die Stimmung aber anscheinend gekippt, wie die FAZ kürzlich berichtete: Jetzt wollen Anwohner über weite Strecken doch lieber Freileitungen, weil sie befürchten, dass guter Ackerboten durch die Erdleitungen zerstört wird. Freileitungen statt Erdkabel zu verlegen, dürfte billiger kommen, allerdings müssen die Pläne wieder geändert werden, was zu neuen Verzögerungen führen könnte.

Und dann gibt es auch noch die, die sich grundsätzlich gegen jeden Netzausbau aussprechen. Ihr Argument:  Die Energiewende bestünde darin, die Energieerzeugung zu dezentralisieren – dann würde die Notwendigkeit neuer Stromtrassen ganz von selbst wergfallen.

Altmaiers aktueller Aktionsplan

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellt am Dienstag in Bonn zusammen mit der Bundesnetzagentur einen Aktionsplan für einen schnelleren Ausbau der Stromnetze vor. Es ist der Auftakt einer dreitägigen Reise des CDU-Politikers mit Stationen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Er besucht Kraftwerke, Leitungen und Erdkabel-Baustellen und führt Bürgerdialoge.

Der SPD-Energiepolitiker Bernd Westphal sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Wichtig ist, dass der Minister seiner öffentlichkeitswirksamen Sommerreise auch zügig Taten folgen lässt.« Altmaier müsse einen Gesetzentwurf zu den wesentlichen Herausforderungen bei Netzausbau und -optimierung vorlegen.

Die Grünen-Energiepolitikerin Ingrid Nestle sagte der dpa, die Bundesregierung habe beim Netzausbau die Verantwortung zu lange allein zu den Bundesländern geschoben. »Wir brauchen einen intensiven Dialog mit den Menschen vor Ort und eine wirksame und frühzeitige Beteiligung.«