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Verbraucher macht was er will: Keine Lust auf variable Strompreise

Die Unter- und Überproduktion von Strom steigt mit dem Anteil variabel anfallender erneuerbarer Energien. Angeblich bieten variable Strompreise Kunden den Anreiz, ihren Stromverbrauch in die Zeiten niedriger Nachfrage zu verlegen, aber die Kunden machen nicht mit. Das »Warum« klärt eine neue Studie.

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Die Lastverschiebung ist bei Kunden nicht populär, weil sie Sorge haben, dass es am Ende teuerer wird. Hilfreich wären »vertrauensbildende« Stromtarife.

Böse Zungen sprechen vom »Zappelstrom«, wenn sie erneuerbare Energien meinen, weil sie wegen ihres volatilen Aufkommens praktisch nie mit der Nachfrage übereinstimmen. Vorbei sind die Zeiten, als dutzende große Kraftwerke mit »rotierenden Massen« ausreichten, um Nachfrage und Angebot von Strom in Deutschland auszugleichen und die Netzfrequenz stabil zu halten. Mittlerweile gewährleisten die Netzbetreiber die Stabilität des Energieversorgungssystems durch mehrere Tausend Netzeingriffe pro Jahr.

Das kostet Geld und wird, mit der politisch geplanten Ausweitung der regenerativen Energieproduktion noch mehr Geld kosten. Verbraucher spüren dies über höhere Strompreise und wachsende EEG-Umlagen im Portemonnaie.

»Lastverschiebung« heißt das für Endverbraucher von Ökonomen ins Spiel gebrachte Rezept, um die Nachfrage den neuerdings schwankend anfallenden erneuerbaren Energien anzugleichen und Stromverbrauch in Zeiten geringer Nachfrage zu lenken. Papas Socken können ja um 03:20 Uhr gewaschen werden.

Außerhalb der Lehrstühle der Universitäten funktioniert dieses System beim Endverbrauchern nicht, was vor allem bei Ökonomen zu lustigen Paradoxien führt, die sich fragen, warum Verbraucher denn nicht Strom in Zeiten niedriger Preise nutzen, wenn diese doch gleichzeitig, wie von der ökonomischen Theorie behauptet, »rational« handelnde Wirtschaftssubjekte sein sollen.

Licht ins Dunkel dieses theorie- und normwidrigen Verhaltens von Endverbrauchern bringt eine Studie der Otto Beisheim School of Management (WHU) und der Goethe-Universität Frankfurt. Über die Beweggründe der Ablehnung zeit- und preisvariabler Strompreise erklärt Prof. Dr. Christian Schlereth:

»Zumindest würden zeitabhängige Tarife, wie beispielsweise vergünstigte Nachttarife noch zu 56 Prozent akzeptiert werden, allerdings nur, wenn hohe Ersparnisse in der Stromrechnung in Höhe von 20 Prozent möglich werden. Dies rechnet sich sicherlich nicht für den Stromerzeuger.« Und: »Dynamische Tarife, bei denen der Strompreis sich permanent an das Angebot und die Nachfrage anpasst, werden gänzlich abgelehnt.«

Eine Idee, wie variable Stromtarife doch Eingang in den Alltag finden könnten, hat Prof. Schlereth: »Ein wirkungsvolles Instrument, die Akzeptanz variabler Stromtarife deutlich zu steigern, wäre eine Kostenabsicherung, also eine vom Anbieter ausgesprochene Garantie, nicht mehr als in ihrem heutigen statischen Stromtarif zu zahlen. Endverbraucher würden so Erfahrungen im Umgang mit variablen Tarifen gewinnen und hätten zudem die Chance, ohne Risiko Geld zu sparen.«

Verbraucher handeln also nicht »irrational«, wenn sie variable Stromtarife ablehnen. Sie fürchten das Risiko – bis zum Beweis des Gegenteils mit Recht -, dass variable Tarife sie am Ende teurer zu stehen kommen, als die statischen Strompreise von heute.