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Entwurf einer VDE-Anwendungsregel: Bestehende Übertragungsnetze besser auslasten

Für die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien müssend die Übertragungsnetze ertüchtigt und ausgebaut werden. Netzbetreiber können mit der neuen VDE|FNN-Regel »Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb« die Übertragungsleistung witterungsabhängig optimieren.

Die chinesische Regierung hat unerwartet die Kehrtwende bei der Solarförderung eingeleitet. Bildquelle: © Conergy

Die zunehmende Einspeisung volatiler erneuerbarer Energien verlangt ausgeklügelte Strategien der Leistungsübertragung. Im besten Fall kann diese um 50 Prozent gesteigert werden, wenn man den Freileitungsbetrieb witterungsabhängig gestaltet.

Bei kalter oder windiger Witterung werden Freileitungskabel besser gekühlt und können mehr Leistung übertragen. In seiner VDE-Anwendungsregel „Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb“ (E VDE-AR-N 4210-5:2019-06) legt VDE|FNN eine Vorgehensweise fest, mit der Netzbetreiber unter Berücksichtigung der aktuellen Wetterdaten den Durchhang der Leiterseile und ihre Reserven für den Stromtransport ermitteln und den Leistungstransport bei kühlerer, windiger Witterung maximieren können.

»Genau dann ist der witterungsabhängige Freileitungsbetrieb technisch und volkswirtschaftlich sinnvoll«, erklärt Heike Kerber, Geschäftsführerin von VDE|FNN. »Bei entsprechender Wetterlage lässt sich die Übertragungsfähigkeit von 110-Kilovolt-Freileitungen so um bis zu 50 Prozent steigern – ein wertvoller Beitrag für eine erfolgreiche Energiewende«, sagt Heike Kerber und unterstreicht: »Wir kommen – mit Blick auf das Jahr 2050, in dem der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch 80 Prozent betragen soll – um den nötigen Netzausbau nicht herum. Der witterungsabhängige Freileitungsbetrieb hilft kurzfristig, bestehende Hoch- und Höchstspannungsnetze besser auszulasten und dadurch Erneuerbare-Energien-Anlagen noch besser auszunutzen«. 

Der witterungsabhängige Freileitungsbetrieb ist eine Maßnahme nach dem sogenannten »NOVA«-Prinzip, respektive »Netz-Optimierung vor Verstärkung und Ausbau«. Weitere Möglichkeiten sind beispielsweise der Einsatz von Hochtemperaturleitern und von regelbaren Ortsnetztransformatoren (rONT). Auch die noch engere Zusammenarbeit der Netzbetreiber kann den Netzbetrieb optimieren.

Der VDE|FNN hat Prozesse für eine reibungslose Kommunikation unter den Netzbetreibern geregelt, etwa für die „Schnittstelle Übertragungs- und Verteilnetze“ (VDE-AR-N 4141-1) und zu „Kaskadierung von Maßnahmen für die Systemsicherheit von elektrischen Energieversorgungsnetzen“ (VDE-AR-N 4140).  Die aktualisierte VDE-Anwendungsregel „Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb“ (E VDE-AR-N 4210-5:2019-06) liegt als Entwurf vor. Bis 24. Juli 2019 können Änderungsvorschläge abgegeben werden. Die Veröffentlichung ist für Anfang 2020 geplant.