Schleppender Netzausbau

Hohe Belastung für Stromkunden

15. Februar 2022, 7:48 Uhr | dpa ha
Ein Windrad steht bei Herbolzheim neben dem Mast einer Hochspannungsleitung und dreht sich im Wind. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat die Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze kritisiert.
Ein Windrad steht bei Herbolzheim neben dem Mast einer Hochspannungsleitung und dreht sich im Wind. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat die Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze kritisiert.
© Philipp von Ditfurth/dpa

Die Denkfabrik Agora Energiewende hat die Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze kritisiert: Allein 2020 kostete dies laut Bundesnetzagentur 1,4 Mrd. Euro.

Diese Kosten entstehen dadurch, dass erneuerbare Energien bei Netzengpässen abgeschaltet werden und teure Kraftwerke zum Ausgleich ans Netz gehen müssen. »Der schleppende Netzausbau verzögert den Umbau zu einem klimaneutralen Stromsystem und belastet Stromkund:innen über höhere Netzentgelte«, sagte Deutschland-Direktor Simon Müller der Deutschen Presse-Agentur. 

Um das Ziel von 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 zu erreichen, müss der Netzausbau durch Bund und Länder drastisch beschleunigt werden. Es brauche schnell einen Systementwicklungsplan, der die Strom-, Wasserstoff- und Wärmenetze auf Klimaneutralität ausrichte. »Zudem müssen Genehmigungsverfahren weiter vereinfacht werden, und Behörden und Gerichte brauchen mehr Personal« so Müller.

Der Stromnetzausbau spielt eine zentrale Rolle bei der Energiewende. So soll etwa in Norddeutschland klimaneutral erzeugter Strom über neue Leitungen besser als bisher in den Süden Deutschlands kommen.

Auch die Energiewirtschaft dringt auf mehr Tempo. »Um einen ausreichenden Netzausbau sicherzustellen, müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Netzregulierung investitionsfreundlich ausgestaltet werden«, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Ohne die notwendigen Netzinvestitionen werde man erhebliche Probleme bekommen, die 2030-Ziele zu erreichen, warnt der Branchenverband.

Die vier für das Übertragungsnetz zuständigen Unternehmen machen ebenfalls Druck. »Ohne zusätzliche Maßnahmen zur Beschleunigung wird es nicht gehen», teilen sie auf dpa-Anfrage mit. Nötig seien weitere Anstrengungen zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Sie sollten »nicht länger als drei Jahre benötigen«. Derzeit dauerten sie oft deutlich länger, mitunter fünf oder mehr Jahre.

Das Bundeswirtschafts- und Klimaministerium unterstrich in diesem Zusammenhang das im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorhaben, den Netzausbau beschleunigen zu wollen: »Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen so weit wie möglich beschleunigt und dazu entsprechende Prüfprogramme vereinfacht werden. Dazu gehören auch Rechtsänderungen, wo immer sie beschleunigend wirken.«
 


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