Digitalisiertes Einkaufen auch vor Ort

Einzelhandel - auf ins Digitalzeitalter!

Mario Klug, Rutronik: »Die Techniken für Smart Retail gibt es bereits.«
Mario Klug, Rutronik: »Die Techniken für Smart Retail gibt es bereits.«
© Rutronik

Digitale Techniken ermöglichen nicht nur Online-Einkäufe, sondern auch neuartige Einkaufserlebnisse im stationären Einzelhandel. Doch wie muss man sich diese vorstellen, und welche Systeme und Komponenten sind dafür erforderlich?

Mit digitalen Techniken, die alltägliche Abläufe einfacher und angenehmer gestalten, kann der Alltag für Endverbraucher einfacher werden. Aber auch für die Retailer selbst birgt der Wandel hin zu Smart-Retail-Konzepten einige Vorteile: Rasch lassen sich so Kosten in der Supply Chain einsparen. Der Einsatz von Ressourcen wird besser planbar, und das Verhalten der Kunden im Laden zu analysieren, ermöglicht, auf höheren oder geringeren Bedarf schneller zu reagieren. Das bedeutet unter anderem Einsparungen von Energie durch optimierte Lieferketten und Lagerhaltung, gegebenenfalls weniger Platzbedarf in Geschäften und Lagern, einen verantwortungsvollen Ansatz gegen Lebensmittelverschwendung und eine engere Bindung der Kunden.

Der folgende Beitrag skizziert ein smartes, Consumer orientiertes Retail-Konzept und fasst anschließend beispielhaft zusammen, welche Technologien für die Umsetzung des Smart Retail eine Rolle spielen.

Beim Betreten meines bevorzugten Supermarkts um die Ecke muss ich nicht mehr nach der Euro-Ersatzmarke für den Einkaufswagen kramen, denn der kommt von seiner Wireless-Charging-Spur am Eingang direkt und autonom zu mir gefahren. Er begrüßt mich mit meinem Namen und teilt mir mit, wie sehr er sich über meine Anwesenheit freut. Dabei macht er auf einem Display mit einfachen Grafiken ein freundliches Gesicht. Meinen Namen hatte ich für eine Kundenkarte als Stammkunde hinterlassen, auch ein Bild von mir wurde dabei erstellt. Level 1 im Stammkundenprogramm, sagte man mir damals. Es gab viele Bedenken von Kunden, die ihre Privatsphäre angegriffen sahen und lieber anonym einkaufen wollten. Dabei erfordert ein Online-Einkauf weitaus mehr Persönliches, wie die vollständige Postadresse und Telefonnummer, sowie - beim Kauf auf Rechnung - auch das Geburtsdatum.

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Interaktives Multi-Channel-Erlebnis

Mein smarter Shopping-Cart, ich nenne ihn Bob, hat in der Zwischenzeit das Leergut analysiert, das ich ihm anvertraut hatte, und bucht das Guthaben auf mein Kundenkonto. Jetzt muss ich die Flaschen nur noch im Sammelbereich abstellen. Bob lächelt mich noch immer an und fragt mich, ob er die Einkaufsliste vom letzten Mal laden soll und ob er die Rasierklingen, die ich zu Hause in der App hinzugefügt hatte, darauf vermerken soll. Ich danke ihm dafür und wir gehen weiter. Angenehm ist auch, dass man bei so einem autonomen System keinen Griff mehr berühren muss.

Ich lege meine Einkäufe in den Wagen; dabei animieren mich die kleinen Werbeanzeigen in dezenten Bildschirmen an den Regalen, etwas Neues auszuprobieren. Bob teilt mir mit, dass ein hervorragender Käse gerade erst ganz frisch ins Sortiment aufgenommen wurde und es ein Startangebot gäbe. Ich folge dem Impuls und lege den Käse in den Wagen. Ich nehme mir den geräucherten Lachs von der Fischtheke und packe ihn in meine Fisch-Box. Das intelligente System hinter der Kamera über der Theke teilt meinem Wagen mit, welchen Fisch ich eingepackt habe, und der Wagen wiegt beim Hineinlegen das Gewicht, um den Preis zu ermitteln. Den bucht er dann direkt gegen mein Guthaben.

Smarte Supply Chain für effizientes Shop Management

Die 3D-Bildverarbeitungstechnik „RealSense“ von Intel eignet sich auch für Smart-Retail-Anwendungen.
Die 3D-Bildverarbeitungstechnik „RealSense“ von Intel eignet sich auch für Smart-Retail-Anwendungen.
© Intel

Mir fällt auf, dass die Regale immer gefüllt sind. Ich mache dazu eine Bemerkung zu meinem Begleiter, und er teilt mir mit, dass er jedes einzelne Stück, das ich einem Regal entnehme und ihm übergebe, direkt an den Zentralrechner meldet, der die Bestände überwacht. Somit wissen die Mitarbeiter im Markt immer, welche Fächer wann zu befüllen sind, und das Arbeitsleben wurde damit für sie leichter.

Auf dem Weg zur Kasse erinnert mich mein Begleiter daran, dass ich die Rasierklingen vergessen habe. Also machen wir noch einen Abstecher in die Drogerieabteilung. Dabei fragt Bob, ob ich noch genügend After Shave zu Hause hätte. Ich bin mir nicht sicher, also empfiehlt er mir noch eine Flasche von der Marke, die ich vor zwei Monaten gekauft hatte, weil die bei täglicher Benutzung fast aufgebraucht sein müsste. Ich bin beeindruckt von so viel Aufmerksamkeit - daran hätte ich nicht einmal selbst gedacht.

Self Check-out für mehr Effizienz

Vorbei ist die Zeit der Schlangen an den Kassen. Bob weiß exakt, was er transportiert. Die Frage nach Bar oder Karte stellt er mir dabei nicht mehr, er wollte ja auch schon keinen Euro mehr, um entriegelt zu werden. Er fragt, ob mir noch etwas eingefallen wäre, das ich hinzufügen möchte oder ob er abrechnen kann. Ich gebe mein OK zum Abrechnen, und die Einkäufe werden gegen mein Guthaben gebucht. Die gesamte Abrechnung erfolgt nach vorheriger Autorisierung in monatlichen Buchungen.

Wir verlassen den Markt, und Bob fährt neben mir zu meinem Auto. Ich nehme die Einkaufsbox aus der Halterung und stelle sie in den Kofferraum. Das Kühlfach in der Box, in das ich den Fisch gelegt hatte, wurde während des Einkaufs vom Akku des Shopping-Carts gekühlt, damit empfindliche Lebensmittel, wie frischer Fisch optimal transportiert werden können. »Vielen Dank für Ihren Einkauf und haben Sie einen schönen Abend«, sagt Bob zu mir, bevor er autonom zurück in den Markt auf seine Ladespur fährt.


  1. Einzelhandel - auf ins Digitalzeitalter!
  2. Der Weg von Einzelkomponenten zu einem Smart-Retail-Erlebnis

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