Funktürme für Energiewende

450-MHz für die Energieversorgung der Zukunft

17. Juni 2021, 15:08 Uhr | Heinz Arnold
© WEMAG

Die WEMAG Netz GmbH (WNG) baut derzeit, das die sichere Kommunikation für die Steuerung von Smart-Grid-Komponenten und Smart Metern für die Energiewende ermöglicht.

»Es ist erforderlich, dass die Energieanlagen störungsfrei und sicher miteinander kommunizieren und gemanagt werden können. Das hochverfügbare 450-MHz-Funknetz ermöglicht es, die vielen dezentralen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sicher in die Energiesysteme zu integrieren. So können wir in unserer Region die Versorgungssicherheit und den Schutz kritischer Infrastrukturen gleichzeitig sicherstellen«, sagt WEMAG-Vorstand Thomas Murche.

Am Umspannwerk der WEMAG Netz in Zarrentin wird derzeit der neunte von insgesamt 34 Funkmasten im Netzgebiet der WNG errichtet. Generalauftragnehmer ist die Cteam Consulting und Anlagenbau. »Der Stahlgittermast wird etwa 40 Meter hoch. Er besteht aus vier Segmenten, die am Boden vormontiert und mit einem Kran aufgesetzt werden. Nach Fertigstellung des Mastes, inklusive aller Plattformen, Antennenhalterungen, Steigleitern und Kabelwege, werden die restlichen Arbeiten im Außenbereich der Anlage durchgeführt, so dass die schlüsselfertige Übergabe an den Kunden erfolgen kann. Die Montage der Funktechnik ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen«, erklärt Michael Hammes, Bereichsleiter Mobilfunkmastbau bei Cteam. Das Unternehmen plant und baut Mobilfunkmaste in ganz Deutschland und bedient für Kunden das komplette Spektrum im Mobilfunksektor.

Einbindung der Photovoltaik-Anlagen und Ladepunkte

Die Umsetzung der Energie- und Verkehrswende in Deutschland erfordert eine Digitalisierung der Netze zur Steuerung von künftig über 20 Millionen Smart-Grid- und Smart-Meter-Komponenten. Diese Digitalisierung benötigt ebenfalls eine sichere und stets hochverfügbare Kommunikationsinfrastruktur. Aber nicht nur die Smart Meter, deren Einbau im WEMAG-Netzgebiet bereits angelaufen ist, werden digital gesteuert. Auch die wachsende Anzahl der Ladepunkte für Elektrofahrzeuge und die wetterabhängigen Photovoltaik-Kraftwerke auf den Dächern müssen sicher in das Netz integriert werden. Nur so können die vielen Schritte zur Erreichung der Klimaschutzziele umgesetzt werden.

Start des Netzbetriebs nach Blackout

Die Funkmaste und das 450-MHz-Funknetz haben eine weitere wichtige Aufgabe: Sie werden benötigt, um nach einem längeren, großflächigen Stromausfall, einem sogenannten Blackout oder Schwarzfall, den Netzbetrieb geordnet wieder aufzunehmen. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als Schwarzstart. Bei regionalen und überregionalen Versorgungsausfällen muss die Notfallkommunikation funktionieren, um die Koordinierung der Arbeiten für den Netzwiederaufbau sicherzustellen. Diese sehr hohen Ansprüche erfüllt nur das 450-MHz-Funknetz.

Sorgfältige Standortwahl

Bislang hat die WEMAG Netz 8 von insgesamt 34 Funktürmen errichtet. Sie stehen unter anderem in Perleberg, Hagenow und Lalendorf. Die Funktürme in Schwerin und in Brenz bei Neustadt-Glewe sind bereits in Betrieb und werden zu Testzwecken genutzt. Die Standorte für die Funktürme werden sorgfältig geprüft und ausgewählt. Für das Versorgungsgebiet der WEMAG Netz müssen pro Funkturm etwa 20 km erfasst werden. Dabei gilt: Je höher ein Turm ist, desto besser ist die Funkausbreitung. Je besser die Funkausbreitung ist, desto weniger Türme sind notwendig. Neben den technischen Faktoren werden in die Prüfung auch äußere Rahmenbedingungen einbezogen, wie zum Beispiel die Integration der Funktürme ins Stadt- und Landschaftsbild.

Standorte an einem Umspannwerk oder in der Nähe von Schaltstationen sind zu bevorzugen, weil hier eine Anbindung an die bestehende Notstromversorgung und das eigene Telekommunikationsnetz gewährleistet ist. So kann es im Einzelfall vorkommen, dass der ideale Standort zentrumsnah liegt. Nach sorgfältiger Abwägung muss jedoch die Versorgungssicherheit den Vorrang haben. Die Einmietung bei Dritten ist nicht möglich, weil die WEMAG Netz kein Hausrecht besitzt und somit nicht gewährleistet werden kann, dass die Auflagen für kritische Infrastrukturen eingehalten werden. Andererseits können Dritte, wie beispielsweise Mobilfunkanbieter, die Funkplattformen mit anmieten.

»Das Funknetz soll mit 34 Funktürmen bis Ende 2022 fertiggestellt sein. Die Planung basiert darauf, dass alle Türme gemäß der vorgesehenen Lage und Größe errichtet werden können. Falls eine Standortverschiebung erforderlich ist, kann sich die Anzahl der Funkstandorte erhöhen«, erläutert Karsten Schiller, Inhaber des Ingenieurbüros für Elektrotechnik Schiller aus Wismar, der als Berater das gesamte Vorhaben über alle Projektphasen und Teilprojekte leitet. Ein Teilprojekt ist der Aufbau der Standortinfrastruktur, wozu auch die Errichtung des Funkturms in Zarrentin zählt. Weitere Teilprojekte sind zum Beispiel die Etablierung der Betriebs- und Instandhaltungsprozesse und die Einführung der Endgerätetechnik für die Notfall-/ Sprachkommunikation, die Steuerung und Überwachung der Netzanlagen (Smart Grid) und der intelligenten Zähler (Smart Meter).

 


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