Weltpremiere

Elektroautos erbringen Regelleistung für Stromnetze

18. März 2019, 11:32 Uhr   |  Hagen Lang

Elektroautos erbringen Regelleistung für Stromnetze
© Bild: The Mobility House, Enervie

Das bislang nur auf dem Parkplatz des Energieversorgers Enervie stattfindende Geldverdienen durch die Erbringung von Systemdienstleistungen wird man bald häufiger in Deutschland sehen.

In größerer Anzahl destabilisieren Elektroautos die Stromnetze, so die landläufige Meinung. Falsch, sagt »The Mobility House« aus München, die mit der erstmaligen Präqualifizierung ihrer Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) mit E-Autos Regelleistung für das Stromnetz erbringt – und sogar Geld verdient.

Leicht aus dem Konzept zu bringen sind sie nicht, die Mitarbeiter von „The Mobility House“ (TMH) aus München. Auf der Energiemesse e-world in Essen sagte ein Manager eines Energieversorgers: »Wenn Sie fünf Elektromobile in der Straße einer Wohnsiedlung gleichzeitig laden, klappt das Netz doch zusammen, wie wollen Sie denn diese Leistung bereitstellen?« Damit konfrontiert, beharrt Stefan Geiger, Key Account Manager bei TMH: «Das ist nicht richtig; wir haben für unser Vehicle-to-Grid-System die Präqualifizierung eines Übertragungsnetzbetreibers durchlaufen, wir können Laden und Entladen so steuern, dass das System nicht überlastet wird.«

Präqualifizierung? Das ist immerhin der Goldstandard der Übertragungsnetzbetreiber, in diesem Falle der Amprion GmbH, um Elektroautos dem Netz gegenüber zuverlässig als virtuellen Speicher darzustellen. Jeder einzelne PKW muss dann sofort auf die Anforderungen des Übertragungsnetzbetreibers reagieren, Leistung ins Netz zu liefern oder Strom aus dem Netz zu speichern. Diese Erbringung von Primärregelleistung gemäß allen regulatorischen Anforderungen von Übertragungsnetzbetreibern gelingt mit der hauseigenen Kommunikations- und Steuerungstechnologie sowie intelligenter Lade- und Energiemanagement-Software im Verbund mit Nissan-Leaf-Elektromobilen.

Bild: The Mobility House, Enervie
© Bild: The Mobility House, Enervie

Energie rein – Energie raus: Elektromobile müssen bidirektional laden können, sonst sind sie für die Teilnahme an Vehicle-2-Grid-Systemen ungeeignet.

Nissan und TMH haben schon in früheren Projekten erfolgreich zusammengearbeitet, so etwa beim Aufbau der größten Second-Life-Batterie Europas (2,8 MW Kapazität) in der Amsterdamer „Johann Cruijff ArenA“, die aus 590 Battery-Packs besteht. Dabei handelt es sich um 250 Second-Life-Packs der ersten Generation und 340 Firstlife-Packs der neuen Generation aus Nissan-Leaf-Elektromobilen. Sie speichern die Energie einer 1,1-MW-Photovoltaik-Anlage, speisen das Stadion und werden dort für Peakshaving sowie zur Netzstabilisierung im Amsterdamer Stromnetz eingesetzt. Zur Einweihung 2018 waren zudem 18 bidirektionale Ladestationen installiert, die bidirektional ladende Fahrzeuge in die Netzstabilisierung einbinden. The Mobility House erstellte das Hard- und Software-basierte Energiemanagementsystem für die Batterie. Die erforderlichen Schnittstellen zum Energiemanagementsystem der Arena und zum niederländischen Netzbetreiber TenneT wurden neu konzipiert und werden von The Mobility House betrieben.

Damit Autos Teil eines virtuellen Kraftwerks sein können, müssen sie über bidirektionale Ladefähigkeiten verfügen, was bei den meisten Elektromobilen heute nicht der Fall ist. Der Nissan Leaf verfügt nicht nur über eine bidirektionale Ladetechnologie in Form eines CHAdeMO-Ladeanschlusses, er stellt auch die Kommunikation zur Ladeinfrastruktur zum Austausch der benötigten State-of-Charge- (SoC) Daten sicher.

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2. Stromnetzbelastung durch Elektromobile

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