Pionier EnOcean bekommt ernsthafte Konkurrenz

ZF Friedrichshafen steigt in die batterielose Funktechnik ein

12. Oktober 2012, 14:04 Uhr   |  Corinne Schindlbeck und Willem Ongena

ZF Friedrichshafen steigt in die batterielose Funktechnik ein
© ZF Friedrichshafen

Der batterielose Funkschalter von Cherry erzeugt aus einem Tastendruck genug Energie (0,4 mJ) für bis zu fünf Funktelegramme. Durch diese Übertragungssicherheit gelingt erstmals auch der Vorstoß in das weltweit verfügbare ISM-Band mit Betriebsfrequenzen um 2,4 GHz.

Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen geht unter der Marke »Cherry« mit einem batterielosen Funkschalter in Serie, der aus einem Tastendruck genug Energie (0,4 mJ) für bis zu fünf Funktelegramme erzeugt.

Das ist etwa doppelt so viel, wie der Schalter des bereits im Markt etablierten Konkurrenten EnOcean zustande bringt. Die benötigte Funkenergie wird ausschließlich über die mechanische Betätigung des Schalters erzeugt; die Datenübertragung erfolgt dann kabellos über Funk. Damit wird eine Batterie genauso überflüssig wie Steck- oder Kabelverbindungen.

Die Technologie ist zwar nicht neu - der Siemens-Spin-off EnOcean ging bereits vor zehn Jahren mit einer eigenen batterielosen Funktechnik an den Start, weil sich das zur damaligen Zeit mit Standard-ICs noch nicht realisieren ließ -, doch Cherry nutzt den inzwischen eingetretenen Fortschritt in der Halbleitertechnik, um auch mit niedrigen Leistungen zuverlässig Signale zu übertragen. Durch die Übertragungssicherheit gelingt erstmals auch der Vorstoß in das weltweit verfügbare ISM-Band mit Betriebsfrequenzen um 2,4 GHz. Die hohe Störwahrscheinlichkeit in diesem auch von WLAN, Bluetooth & Co. genutzte Band stand dieser attraktiven Option bisher entgegen.

Ein flexibles »Pairing« erlaubt den Betrieb mehrerer Empfänger mit einem Schalter - und umgekehrt. Eine »Unique ID« schließt aus, dass es zu einer unerwünschten Beeinträchtigung beim Betrieb mehrerer Funkschalter kommt. Cherry hat hierfür ein eigenes Protokoll geschaffen, das nicht mit dem branchengängigen KNX-RF-Protokoll kompatibel ist. »Wir waren aber gezwungen, ein Protokoll zu wählen, das kurze und rasch gesendete Telegramme unterstützt, weil sonst der Energieverbrauch zu sehr in die Höhe ginge«, sagt Hartmann.

Cherrys energieautarker Funkschalter bietet eine Energieausbeute mit 2 x 0,2 bis 0,5 mWs und eine mechanische Lebensdauer von bis zu 1.000.000 Schaltspielen. Der Temperaturbereich reicht von -40 bis 85 °C. Die Funkstrecke im Freifeld beträgt 300 m bei 868 MHz und 10 m bei 2,4 GHz. Des Weiteren ist der batterielose Schalter netzwerkfähig. Verschiedene Frequenzbänder (z.B. 868 MHz, 915 MHz und 2,4 GHz) ermöglichen den weltweiten Einsatz in verschiedenen Anwendungsbereichen. Für Europäer bietet sich vor allem das gut durchregulierte und praktisch störungsfreie Band um 686 MHz an, das auch der Siemens-Spin-off EnOcean nutzt.

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2. Cherry geht selbstbewusst an den Start
3. Elektromagnetische Induktion als Funktionsprinzip in batterielosen Funkschaltern

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